Wenn’s um Unterstützung geht

Die Stiftung für Zukunftsfragen schreibt „Immer mehr Bundesbürger pflegen ihre Liebsten“. Ja, aber warum?

  • Pflegenotstand, vor Allem im Ländlichen Raum: Wer tut es, wenn nicht die Angehörigen? (die Helfenden Hände?)
  • Kostenexplosion bei Pflegedienstleistungen: Auch professionell Pflegende sollen adäquat bezahlt werden!
  • Unwillen der Unterstützten ins Heim „abgeschoben“ zu werden: Bei den Schauergeschichten, die kursieren, ist das gut nachvollziehbar. Aber: Die meisten Heime sind völlig OK, wenn die Heimleitung, der Beirat und die Heimaufsicht ihre Arbeit machen.

Die Stiftung für Zukunftsfragen schreibt weiter:

Ergebnis

Jeder zwanzigste Bürger kümmert sich täglich um seine Angehörigen. Jeder Achte übernimmt mindestens einmal pro Woche die Pflege und jeder Fünfte ist immerhin jeden Monat aktiv. Im 10-Jahresvergleich hat sich der Wert dabei fast verdoppelt.
Innerhalb der Bevölkerung lassen sich kaum noch Unterschiede zwischen den Geschlechtern feststellen und auch beim Wohnort oder Einkommen sind die Abweichungen marginal. Groß bleiben sie dagegen zwischen den Altersstufen: Während sich fast jeder fünfte unter 35-jährige regelmäßig (wenigstens einmal die Woche) um seine Eltern oder Großeltern kümmert, tut dieses bei den über 60-jährigen (erwartungsgemäß) nicht einmal mehr jeder fünfzigste.

Gründe

Unsere Gesellschaft wird zunehmend älter und damit steigt gleichzeitig auch die Anzahl an Pflegebedürftigen. So hat sich der Anteil der über 80-jährigen seit der Wiedervereinigung von drei auf über sechs Millionen mehr als verdoppelt. Zwar stieg parallel hierzu auch das Angebot an professionellen Angeboten, jedoch nicht im selben Umfang und nicht gleichermaßen für alle Pflegestufen. Hinzukommen die immer länger werdenden Wartelisten in Pflegeeinrichtungen, der Mangel an geschulten Fachkräften sowie die steigenden Kosten für eine persönliche Betreuung und benötigte Dienstleistungen.
Dementsprechend erklären sich mehr und mehr Kinder, Schwieger- und Enkelkinder bereit, die Pflege ihrer Angehörigen selbst in die Hand zu nehmen. Art, Dauer und Umfang variieren hierbei und reichen z.B. von einer unregelmäßigen Hilfe bei bestimmten Tätigkeiten, über eine regelmäßige ambulante oder auch Kurzzeitpflege bis hin zur intensiven täglichen Betreuung.

Prognose

Bis zum Jahr 2050 wird der Anteil hochaltriger Bürger (über 80 Jahre) um weitere drei Millionen anwachsen. Viele von ihnen möchten am liebsten möglichst lange in der eigenen Wohnung bleiben, ihre sozialen Kontakte aufrechterhalten und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Wenn dieses allein nicht mehr möglich ist, sind die Angehörigen gefordert, ihre Verwandten im vertrauten Umfeld zu unterstützen, zu betreuen oder auch zu pflegen – wozu viele auch bereit sind. Diese Pflege geht nicht selten mit einer Belastung einher, müssen die Helfenden den Spagat zwischen Beruf, Familie und Pflegeaufgaben bewältigen.
Wichtig ist es daher, die pflegenden Angehörigen zu unterstützen und zu entlasten – z.B. durch einen Ausbau staatlicher Unterstützungsmaßnahmen wie Pflegegeld oder Pflegezeit, dem Ausbau von ambulanten Pflege- und Betreuungsangeboten oder mehr barrierefreien Wohnanlagen, aber auch durch eine bessere gesellschaftliche Anerkennung, ehrenamtliche Helfende und größere Rücksichtnahme.